{"id":1150,"date":"2015-04-07T09:44:06","date_gmt":"2015-04-07T09:44:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ewazygalska.de\/?page_id=1150"},"modified":"2022-08-09T08:45:19","modified_gmt":"2022-08-09T08:45:19","slug":"texte","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.ewazygalska.de\/?page_id=1150","title":{"rendered":"Texte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jurgen Weichardt<\/strong><br \/>\n<em>Struktur und Zeit<\/em><br \/>\n<strong>St\u00e4dtische Galerie Iserlohn 1995<\/strong><br \/>\nEwa Zygalskas Arbeiten fordern zum Philosophieren heraus,<br \/>\nauch wenn sie sich zun\u00e4chst an die Augen wenden.<br \/>\nGenaues Hinsehen ist Voraussetzung jeder Analyse. Der Zugang<br \/>\nzu den Bildern von Ewa Zygalska ist einfach, denn sie beruhen auf einfachen<br \/>\nStrukturen.<br \/>\nDas auff\u00e4lligste Element, das nahezu alle Arbeiten gemeinsam haben, sind die<br \/>\nhorizontalen Streifen. Sie sind auf Fl\u00e4che aus Sperrholz aufgeklebt und bestehen<br \/>\naus Papier. Sie wurden aus Bildern herausgeschnitten, die f\u00fcr diesen Zweck<br \/>\ngearbeitet worden sind. Ewa Zygalska malt, um zu zerschneiden, und setzt ihre<br \/>\nneuen Arbeiten aus Materialien verschiedener Bilder wieder zusammen. Die<br \/>\ninformelle Malerei, die selbst Chaos spiegelt, wird zerst\u00f6rt, und aus den Resten tritt<br \/>\neine neue Ordnung hervor.<br \/>\nDen Arbeiten von 1993 gingen Bilder voraus, in denen die Streifen vertikal oder<br \/>\ndiagonal oder in Winkelform angebracht waren. Ihre Wirkung wurde von<br \/>\ngeometrischen Formen bestimmt, die die eigentliche Bildoberfl\u00e4che \u00fcberlagert<br \/>\nhaben.<br \/>\nSolche Bilder haben denen der Malerei mit Zeichen, mit Signalen und Konstruktionen<br \/>\nnahegestanden: sie haben eine Br\u00fccke zur Tradition des Konstruktivismus<br \/>\ngeschlagen, zu denen sich die K\u00fcnstlerin formal vielleicht hingezogen f\u00fchlte.<br \/>\nAber da war noch etwas anders. Unter und zuweilen auch \u00fcber den letztgenannten<br \/>\nBildkompositionen, die mit dem Winkel sind die horizontalen Reihungen schon<br \/>\nvorhanden gewesen. Die Zweischichtigkeit, ja sogar eine Merschichtigkeit ist<br \/>\noffensichtlich. Der Eindruck von Malerei tritt schnell hinter dem von Mat\u00e4rialit\u00e4t<br \/>\nzur\u00fcck. Die Oberfl\u00e4che rein horizontal gerichteter Strukturen wie bei den<br \/>\nZeichnungen hat in ihrer Gleichm\u00e4\u00dfigkeit wohl zun\u00e4chst Feldcharakter und wird<br \/>\ngerade durch die einzelnen Streifen von allen illusionistischen Inhalten befreit. Auch<br \/>\ndie Winkelform verliert dabei ihren Anspruch, geometrisches Zeichen zu sein; sie<br \/>\nwird durch die \u00dcberlagerung mit vereinzelten streifen eine in ihrer symmetrischen<br \/>\nOrdnung gest\u00f6rtes Element.<br \/>\nJede gute Kunst ist die einer Reduktion \u2013 Ewa Zygalska hat gut daran getan, diese<br \/>\nKompositionen stringenter zu machen. Die Bilder mit horizontalen Streifen tragen<br \/>\nunterschiedliche Strukturen die im einfachsten Fall aus einem vertikal oder diagonal<br \/>\ngef\u00fchrten Strich, sonst aus H\u00e4ufungen von Linien bis zu schraffuren, sogar bis zu<br \/>\nFl\u00e4chenhaften Verdichtungen von Farben und Schwarz bestehen. Immer wieder<br \/>\ntaucht besonders in den Zeichnungen diese eigent\u00fcmliche Beziehung zum Raum<br \/>\nauf, diese auf ein Feld von Schwarz anspielende Einheit.<br \/>\nWeitere Bilder mit \u00e4hnlicher Bauweise zeigen, da\u00df die Streifen nicht nur<br \/>\nnebeneinander, sondern auch mit leichter Neigung \u00fcbereinander geklebt werden<br \/>\nk\u00f6nnen. Was zun\u00e4chst als ein Ordnungsfaktor aussieht, ist durch eine leichte, fast<br \/>\nzuf\u00e4llig erscheinende Verschiebung Unordnung geworden. Diese entsteht auch<br \/>\ndadurch, da\u00df einzelne Streifen \u00fcber die Bildkontur hinausgef\u00fchrt werden. Sie<br \/>\nentlarven die Festigkeit der Oberfl\u00e4che, sie machen deutlich da\u00df diese beweglich<br \/>\nund empfindsam ist. Solch eine Reihung oder Schichtung vermittelt keine Sicherheit,<br \/>\nassoziiert vielmehr eine Art Unordnung, die auch Unruhe genannt werden kann.<br \/>\nZeichnung und Malerei auf den Streifen und deren Verlagerung selbst aus der<br \/>\ngeordneten Reihung f\u00fchren von einer Gleichm\u00e4\u00dfigkeit oder Metrik der Oberfl\u00e4che<br \/>\ndes Bildes hin zur Betonung von Schwerpunkten. Diese reichen von einzelnen<br \/>\nwei\u00dfen Orten auf den Streifen der Zeichnungen, also relativ kleinen, aber gut<br \/>\nsichtbaren Akzentuierungen bis zu dominanten malerischen Fl\u00e4chenteilen, die am<br \/>\nEnde im Einzelfall sogar ornamentalen Charakter haben k\u00f6nnen. Ich lasse sogar<br \/>\ndiesen Begriff \u201eornamental\u201c einmal so stehen, weil er mir bei Arbeiten von Ewa<br \/>\nZygalska wie bei entsprechenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern ein vielleicht<br \/>\nunerwartetes, vielleicht gesuchtes Nebenergebnis ist, ein geometrisches Ordnungs \u2013<br \/>\nelement, das Halt in der offenen Oberfl\u00e4chenspannung geben kann.<br \/>\nAn die Stelle der Zeichnung oder Farben k\u00f6nnen andere technische Vorg\u00e4nge wie<br \/>\nRitzen und Rei\u00dfen treten, ohne im wesentlichen dadurch die methodische<br \/>\nDarstellungsweise von Ewa Zygalska in Frage zu stellen. Nat\u00fcrlich ist es mental und<br \/>\nhandwerklich etwas anders, wenn jemand rei\u00dft und ritzt, als wenn er zeichnet oder<br \/>\nmalt, und um die Interpretation dieser Methoden kommen wir nicht herum; und doch<br \/>\nwird am visuellen Ergebnis dadurch wenig ver\u00e4ndert. Diese Technik des Ritzens, des<br \/>\nEindringens in die Oberfl\u00e4che ist der des Schneidens der Streifen enger verwandt<br \/>\nals Zeichnen oder Malen. Wir sollten uns von Augen halten, da\u00df die K\u00fcnstlerin<br \/>\nzuweilen sehr eng miteinander verbundene Techniken verwendet, um ihrer<br \/>\nBildvorstellung gerecht zu werden. Diese hat etwas mit den Polarit\u00e4ten Ordnung,<br \/>\nUnordnung, System und St\u00f6rung, Gef\u00fcge und Chaos zu tun. Wir k\u00f6nnen diese<br \/>\npolare Spannung sogar bis zum Begriffspaar heil und verletzt verl\u00e4ngern, denn was<br \/>\nEwa Zygalska unternimmt, ist auch eine Verletzung der Oberfl\u00e4che, wenn sie ritzt<br \/>\nund rei\u00dft.<br \/>\nDie Farbwahl ist sehr zur\u00fcckhaltend; Erdfarben dominieren, manchmal taucht<br \/>\ndarunter ein wie von fern heraufleuchtendes Blau auf, auch Orange \u2013 T\u00f6ne geben<br \/>\nder grau-braun-schwarzen Tonigkeit intensivere Akzente. Sie konterkarieren den<br \/>\nformalen Ansatz dieser Kompositionen, in der Bildmitte mit einem Rechteck eine<br \/>\nDreiteilung vertikaler Art herbeizuf\u00fchren, indem sie st\u00e4rker leuchten als die<br \/>\ngeometrische Ordnungsform. In den letzten Werken tritt der Decollage-Charakter,<br \/>\neben der der scheinbaren Zerst\u00f6rung, deutlicher in den Blickpunkt; er wird aber ganz<br \/>\nder Struktur der Komposition, die wohl erst mit seiner Hilfe herbeigef\u00fchrt worden ist,<br \/>\nuntergeordnet. Denn alle St\u00f6rungsformen sind tats\u00e4chlich Elemente geworden, die<br \/>\nsich einf\u00fcgen. Das gilt auch f\u00fcr die aus Segmenten zentral aufgebauten<br \/>\nKompositionen, mit denen Ewa Zygalska die rechteckige Form der Bilder verl\u00e4\u00dft und<br \/>\nschon fl\u00e4chige Objekte macht. Sie lassen erkennen, da\u00df es ein wesentliches Ziel<br \/>\nunserer K\u00fcnstlerin ist, wie die Natur und parallel der Natur zu arbeite, dabei aber<br \/>\nweder figurativ noch gegenst\u00e4ndlich zu werden.<br \/>\nVor Jahrzehnten hatten wir einmal den Begriff der Materialgerechtigkeit gepflegt, und<br \/>\nEwa Zygalskas Bilder h\u00e4tten unter diesem Stichwort brilliert; sie macht den modischpostmodernen<br \/>\nWeg materieller Fehlleitung und Spekulation nicht mit. Das hat<br \/>\nallerdings auch kunsthistorische Gr\u00fcnde. Wir sind immer noch geneigt, in der<br \/>\nK\u00fcnstlerin eine polnische K\u00fcnstlerin zu sehen. Sie nimmt eine polnische Tradition<br \/>\nauf, die eine der Quellen der europ\u00e4ischen Moderne gewesen ist \u2013 die Theorie von<br \/>\nWladyslaw Strzeminski. Die These Strzeminskis lautet, auf den Nenner gebracht: Auf<br \/>\neiner Bildfl\u00e4che weis nichts \u00fcber den Rand des Bildes hinaus, nur das, was auf der<br \/>\nFl\u00e4che zu sehen ist, hat Bedeutung und zwar nur f\u00fcr die Komposition. Kein<br \/>\nIllusionismus, keine Erz\u00e4hlung.<br \/>\nSo sollten wir auch Ewa Zygalskas Werk betrachten, zumal wir wiederholt gesehen<br \/>\nhaben , da\u00df die K\u00fcnstlerin die M\u00f6glichkeiten der Illusion eliminiert: die Werke<br \/>\ntransportieren keine narrativen Inhalte, selbst der horizontale Zeilencharakter ist nicht<br \/>\nmit einem Landschaftshorizont zu verwechseln.<br \/>\nStattdessen offerieren die Bilder eine Zellenstruktur, die weit tiefer geht als die nur<br \/>\nhorizontale Abfolge von Streifen. Jeder Strich teilt einen Streifen, jede Linie<br \/>\nunterbricht den Verlauf, jeder Farbfleck hemmt die Weiterf\u00fchrung der Horizontlinie<br \/>\ndes Einzelnen Streifens. Diese Kr\u00e4fte, die sich allein auf der Oberfl\u00e4che ausdehnen,<br \/>\nhaben nur f\u00fcr sich selber Bedeutung. Sie k\u00f6nnen so stark werden, da\u00df sie die<br \/>\ndominante Struktur \u00fcberlagern und vielleicht wieder kleine autonom scheinende<br \/>\nBinnenfl\u00e4chen entwickeln. Aber auch diesen ist kein anderer Sinn gegeben als auf<br \/>\nder Oberfl\u00e4che des Bildes Funktionen der Materialit\u00e4t wahrzunehmen.<br \/>\nAngesichts dieser engen Bindung der Bildmaterialien an die Oberfl\u00e4che ist es<br \/>\neigentlich vermessen, von \u201eRaum\u201c innerhalb dieser Arbeiten zu sprechen.<br \/>\nTats\u00e4chlich aber geh\u00f6rt dieser ganz unmittelbar zu der Kombination hinzu, konkret<br \/>\ndurch die haptische Eigenschaft der Streifen, durch die winzigen Zwischenr\u00e4ume und<br \/>\nnicht zuletzt durch die \u00dcberlagerungen der Streifen, die neue, ganz kleine R\u00e4ume bei<br \/>\nden Schnittstellen schaffen. Diese R\u00e4ume sind real, sie sind tastbar. Sie tragen,<br \/>\nbeeinflussen das Licht, das auf die Bilder f\u00e4llt. Ihre Anwesenheit gibt dem Licht auch<br \/>\ndas Antipodische, den Schatten. Ganz leise vermischen sich beide mit den Farben<br \/>\nauf der Bildoberfl\u00e4che, mit Schwarz und Wei\u00df was zu Irritation f\u00fchrt, und zu einer<br \/>\nVibration, wenn die Lichtquelle wandert. Das philosophische Gespr\u00e4ch \u00fcber Bilder,<br \/>\ndie auf einfachen Strukturen beruhen, befa\u00dft sich mit den offenen Begriffen \u201eZeit\u201c<br \/>\nund \u201eRaum\u201c. Wir meinen zwar, mit diesen etwas anfangen zu k\u00f6nnen, aber<br \/>\nangesichts der Bilder von Ewa Zygalska werden Vorstellungen und Erfahrungswerte<br \/>\ngegen\u00fcber Zeit und Raum wieder zweifelhaft.<br \/>\nAm eindrucksvollsten ist die Darstellung des Ph\u00e4nomens der Zeit. Der<br \/>\nZellencharakter, der in jedem Streifen durch die Unterteilungen offenbar wird, deutet<br \/>\nan, wie sehr die einzelne Arbeit, die eines ganzen Bildes mit dem Leben der<br \/>\nK\u00fcnstlerin verbunden ist. Eine Einheit des Bildes, ob gro\u00df oder klein, ist tats\u00e4chlich<br \/>\nund nicht nur symbolisch eine Zeiteinheit ihres Lebens. Leben und Werk sind<br \/>\nidentisch, ihr Ausdruck differiert im Detail. Es kommt der K\u00fcnstlerin offenbar darauf<br \/>\nan, diese Identit\u00e4t ihres Lebens mit der Zeit nachvollziehbar, wenigstens sp\u00fcrbar zu<br \/>\nmachen. Es mag dem Temperament der Malerin entsprechen, da\u00df diese Zeit-<br \/>\nIdentit\u00e4t unregelm\u00e4\u00dfig, mal mehrere Einheiten, mal eine reduzierte Einheit umfassen<br \/>\nkann.<br \/>\nW\u00e4hrend es andere K\u00fcnstler und K\u00fcnstlerinnen gibt, die dieses Ph\u00e4nomen auf einen<br \/>\nsyntaktisch einheitlichen Bildbegriff gebracht haben. Aber f\u00fcr das Werk von Ewa<br \/>\nZygalska ist diese Unw\u00e4gbarkeit, diese Offenheit charakteristisch, hat sie nicht<br \/>\nimmer wenn etwas ganz fest und systematisch schien, die Gegenposition<br \/>\nwahrgenommen und St\u00f6rungen eingebracht und damit Unregelm\u00e4\u00dfigkeit, Unruhe,<br \/>\nprovoziert? Sie ist mit dieser Methodik dem realen Leben n\u00e4her als jeder figurele Akt.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>G\u00fcnter Drebusch<\/strong><br \/>\nIm Fr\u00fchjahr 1993 sah ich in der Iserlohner Zimmer Galerie zum ersten Mal einige<br \/>\nDecollagen von Ewa Zygalska. Von Anfang an beeindruckten mich die verbl\u00fcffende<br \/>\nKonsequenz und die nachhaltige Intensit\u00e4t, mit denen die aus Polen stammende<br \/>\njunge K\u00fcnstlerin ihre verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfen, schwarzen Bildgr\u00fcnde bearbeitet.<br \/>\nDie Polin hat das Prinzip der Decollage nicht erfunden. Diese Erfindung<br \/>\nbeanspruchte der 1970 verstorbene deutsche K\u00fcnstler Reinhold Koehler f\u00fcr sich.<br \/>\nAls 23j\u00e4hriger Soldat will er im 2.Weltkrig vor der russischen Stadt Rshew liegend im<br \/>\nJahre 1942 erstmals Bilder hergestellt haben, indem er von Pappkartons<br \/>\noberfl\u00e4chliche Papierschichten losgel\u00f6st und abgerissen habe, wie er mir einst<br \/>\nErz\u00e4hlte. Trotz Seines erbitterten Streits mit Wolf Vostell am Anfang der 60 Jahre<br \/>\nUm die Priorit\u00e4t dieser Erfindung w\u00e4re das Datum allenfalls eine Marginalie wert.<br \/>\nTechnische Neuerungen z\u00e4hlen in der Kunstgeschichte n\u00e4mlich zu Recht nichts.<br \/>\nAnderenfalls w\u00e4re Alois Senefelder, der Erfinder der lithographischen Technik, ein<br \/>\nbedeutenderer K\u00fcnstler gewesen als Francisco de Goya, der sich als einer der<br \/>\nersten dieses Verfahrens bediente, &#8211; was er nat\u00fcrlich nicht war.<br \/>\nKoehler nahm gegen Ende der 50er Jahre das Prinzip der Decollage wieder auf,<br \/>\nperfektionierte es und f\u00fchrte es zu k\u00fcnstlerisch g\u00fcltigen L\u00f6sungen.<br \/>\nDas letztere machte \u2013 neben anderem \u2013 seinen Rang aus. Die Bl\u00e4tter, die er<br \/>\nzwischen 1958 und 1963 in dieser Technik schuf, waren seriell beeinflu\u00dfte,<br \/>\nungegenst\u00e4ndliche und zumeist in strengem Schwarz \u2013 Wei\u00df gehaltene<br \/>\nKartonarbeiten. Anders bei den gleichzeitigen Decollagisten des \u201eNouveau Realisme\u201c<br \/>\nwie Francois Dufrene, Raymond Hains, Mimmo Rotella oder Jacques<br \/>\nDe la Villegle, die sich am Antikkunst \u2013 Gedanken des Marcel Duchamp orientierten<br \/>\nund die im Abri\u00dfbild nie mehr sahen als ein Relikt des Abrei\u00dfens, war f\u00fcr Koehler die<br \/>\ndecollage immer auch ein Medium des bewu\u00dften Komponierens und Gestaltens.<br \/>\n30 Jahre sp\u00e4ter kn\u00fcpfte Ewa Zygalska an diese Tradition an, ohne allerdings weder<br \/>\ndas Werk noch den Namen Koehlers zu kennen. Solche unbewu\u00dfte Affinit\u00e4ten und<br \/>\nVerwandtschaften kommen in der Kunstgeschichte \u00f6fter vor, als das gemeinhin<br \/>\nbekannt ist. \u00dcber Generationen hinweg k\u00f6nnen sich so geistige Verbindungen bilden,<br \/>\ndie ihre Tr\u00e4ger oftmals am meisten \u00fcberraschen. Zwar spielt auch f\u00fcr die junge<br \/>\nK\u00fcnstlerin der Reliktcharakter der Decollage nur eine minimale<br \/>\nRolle, auch f\u00fcr sie ist die Technik nur ein Weg komplizierter und komplexer<br \/>\nBildfindung, aber die Unterschiede zu Reinhold Koehlers Arbeiten sind doch evident<br \/>\nund faszinierend zugleich.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>Uwe Obier<\/strong><br \/>\n<em>Die Enge und Anderes<\/em><br \/>\n<strong>Museen der Stadt L\u00fcdenscheid<\/strong><br \/>\n<strong>Sammlung der St\u00e4dtischen Galerie L\u00fcdenscheid 2002-2003<\/strong><br \/>\nErstmals sah ich Arbeiten von Ewa Zygalska, als sie sich f\u00fcr das<br \/>\nM\u00e4rkische Stipendium 1993 bewarb.<br \/>\nEs waren gro\u00dfformatige Zeichnungen, die \u00dcberlagerungen<br \/>\nvon H\u00f6lzern zeigten und auf dem zweidimensionalen Zeichengrund, n\u00e4mlich Papier, eine<br \/>\nR\u00e4umlichkeit schufen, wie man es bei Zeichnungen selten erlebt.<br \/>\nVor ungef\u00e4hr 8 Monaten hatte ich die Gelegenheit, eine Fotomappe der K\u00fcnstlerin<br \/>\ndurchzubl\u00e4ttern. In dieser Mappe entdeckte ich unscheinbar kleine konstruktive Arbeiten aus<br \/>\nPapier, die die K\u00fcnstlerin in der Natur an B\u00e4umen, zwischen B\u00e4umen,an Hecken, usw.<br \/>\ninstalliert hatte. Man mu\u00dfte selbst auf den Fotos schon genau hinsehen, um diese kleinen<br \/>\nArbeiten in der Natur zu entdecken. Das animierte mich zu der Ausstellung<br \/>\n\u201eDie Enge und Anderes\u201c, an der Ewa Zygalska seit dieser Zeit arbeitete.-<br \/>\nDie Enge kennen Sie, das Andere m\u00fcssen sie in der Sammlung suchen.-<br \/>\nEs war eine spontane Entscheidung, die nat\u00fcrlich auch die K\u00fcnstlerin begeisterte. Sie betrat<br \/>\nNeuland, mu\u00dfte sie sich doch jetzt auf Innenr\u00e4ume einstellen, die zumal noch mit Kunst<br \/>\nbesetzt sind.<br \/>\nEwa Zygalska arbeitete f\u00fcr einen konkreten Ort, in einer anders fordernden Umgebung als<br \/>\nder eines ruhigen Ausstellungsraumes oder der Natur. Nicht nur k\u00fcnstlerische<br \/>\nAuseinandersetzung mit dem Raum, sondern auch mit den im Raum befindlichen fremden<br \/>\nk\u00fcnstlerischen Ereignissen &#8211; seien es Zeichnungen, Bilder, Skulpturen oder Installationen.<br \/>\nDie fragilen, puristischen, aus in unterschiedlich breiten Streifen geschnittenem und<br \/>\ngefalzten wei\u00dfen Karton um formgebende Dr\u00e4hte geklebte Objekte, werden auf der Wand<br \/>\noder an der Decke befestigt. Sie atmen frei, von nichts eingeengt, folgen sie den<br \/>\neigenwilligen Formvorstellungen der K\u00fcnstlerin. Sie schaffen Raum in Raum und bed\u00fcrfen<br \/>\nLicht und Schatten.<br \/>\nDie Arbeiten Ewa Zygalskas sind skulpturale Ereignisse besonderer Art. Sie ruhen allein in<br \/>\nsich und verweisen auf nichts, au\u00dfer sich selbst.<br \/>\nAllein der Betrachter kann das Objekt jenseits von W\u00f6rtern, vorausgesetzt er hat Lust, Zeit<br \/>\nund Kraft, beleben. Und wenn er gar bereit ist, sich psychologisch in den<br \/>\nGestaltungsprozess der Objekte der K\u00fcnstlerin zu integrieren, entstehen f\u00fcr den Betrachter<br \/>\nVibrations &#8211; und Bewegungseffekte, wie man sie von der passiven kinetischen<br \/>\nKunst, die hier im Hause ja reichlich vertreten ist, kennt.<br \/>\nDer Kunstkritiker und expressionistische Schriftsteller Carl Einstein schrieb vor 70 Jahren:<br \/>\n\u201e das Geschaute ist Teil der Handlung des Betrachters, der es gem\u00e4\u00df der Abfolge seiner<br \/>\nsubjektiven optischen Eindr\u00fccke ordnet.\u201c Diese Kunst wirkt auf den Betrachter<br \/>\nlaut, leise oder gar am Rand des Verstummens. Die Augen sind aufzutun. Wegsehen<br \/>\noder \u00dcbersehen ist m\u00f6glich, doch der Wegsehende macht sich selbst arm. Auch heitere<br \/>\nGedanken, oder gar ein L\u00e4cheln sind zugelassen &#8211; trotziger Bierernst bringt nichts.<br \/>\nIn den Arbeiten, die hier in den R\u00e4umen gezeigt werden,verzichtet die K\u00fcnstlerin ganz<br \/>\nund gar auf Farbe.<br \/>\nDass sie aber mit Farbe umgehen kann, zeigen 3 von den 7 Screens, die im<br \/>\nSkulpturengarten ihren Platz gefunden haben, und deren Farbkerne witterungsabh\u00e4ngig<br \/>\nreagieren. Die Sonne bringt sie zum Gl\u00fchen, ein bedeckter Himmel holt sie<br \/>\nin ihre Normalit\u00e4t zur\u00fcck. Sie werden von Licht und Schatten umspielt ,ver\u00e4ndern sich<br \/>\nst\u00e4ndig und spenden dem Betrachter Freude.<br \/>\nAuch diese Formulierungen der K\u00fcnstlerin sind eindeutig und klar.<br \/>\nEs gelingen beispiellose artistische Setzungen, die ihrem eigenen Farb-und Formprinzip<br \/>\nfolgen. Die Objekte erz\u00e4hlen nichts. Sie sind das, was sie sind, als das sie<br \/>\nerscheinen. Nicht mehr.<br \/>\nRaum und wie sie ihn empfindet, ist das zentrale Thema Ewa Zygalskas in der<br \/>\nAusstellung. Raum zwischen T\u00fcr und Boden,<br \/>\nT\u00fcrraum, Raum zwischen zwei W\u00e4nden, Raum zwischen Decke<br \/>\nund Boden, aber auch der Raum zwischen Gedanken und Wirklichkeit.<br \/>\nDie Leere des Raumes, die Leere die jeder anders empfindet.<br \/>\nDie Leere in Seele und Geist- tabula rasa, als Zustand.<br \/>\nSchlie\u00dfen m\u00f6chte ich mit 2 kurzen Zitaten von Ewa Zygalska<br \/>\naus einem Gespr\u00e4ch mit ihr:<br \/>\n<em>\u201e In der Leere befinden sich Reicht\u00fcmer\u201c<\/em><br \/>\n<em> \u201e Es ist faszinierend, die Leere formen zu k\u00f6nnen\u201c<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><em><strong>Dr. R\u00fcdiger Sareika<\/strong><br \/>\n<strong> \u201e Dlatego &#8211; Deshalb leben wir\u201c<\/strong><br \/>\n\u201eEine neue Sprache zu lernen bedeutet, alles, was uns bis jetzt vertraut war, aufs Neue zu entdecken:<br \/>\nSonne. Himmel. Gras. Baum. Wasser. \u2013 Slonce. Niebo. Trawa. Drzewo. Woda.\u201c1<br \/>\nMit diesem Satz artikulieren Marlies Obier und Ewa Zygalska ihre Erfahrungen eines intensiven Austausches zwischen Polen und Deutschland sowie zwischen poetischer Sprache und Werken bildender Kunst.<br \/>\nIm Vordergrund steht immer wieder der Prozess des \u00dcbergangs zwischen verschiedenen Welten. So<br \/>\nentstehen die Werke der Polin, die in Deutschland lebt, und die der Deutschen, die sich in die Welt<br \/>\nPolens einf\u00fchlt. Solche \u00dcberg\u00e4nge fordern und f\u00f6rdern uns: \u201eDeshalb leben wir!\u201c<br \/>\nDiese \u00dcberg\u00e4nge und das Gelingen des Lebens sind abh\u00e4ngig von unserem Repertoire an Worten<br \/>\nund Bildern, aus denen wir Wege zum Verstehen und Aneignen der Welt finden. Ganz elementar beginnen die Wege der Erkl\u00e4rung der Welt mit den einfachen Dingen wie: \u201eSonne. Himmel. Gras &#8230;\u201c Daf\u00fcr m\u00fcssen aber immer wieder neue Worte und neue Bilder gefunden werden, denn wir und unsere Welt sind in einem st\u00e4ndigen Wandel begriffen. Der Prozess des \u201e\u00dcbergangs\u201c ist die einzige \u201eStabilit\u00e4t\u201c.<br \/>\nMarlies Obier und Ewa Zygalska haben sich diesem Thema der \u00dcberg\u00e4nge des Lebens vor dem Hintergrund ihrer je eigenen biografischen Bez\u00fcge und ihrer je eigenen k\u00fcnstlerischen Ausdrucksm\u00f6glichkeiten verschrieben, haben die Realit\u00e4t Polens und Deutschlands in der Spannung von Eigenem und Fremden, Austausch und Abgrenzung, Geschichte und Gegenwart dargestellt. \u00dcberg\u00e4nge sind auf neue Weise dargestellt und auf neue Weise zu entziffern: Daf\u00fcr und deshalb leben wir!<br \/>\nDLATEGO LEBEN WIR<br \/>\nEIN DEUTSCH-POLNISCHER DIALOG<br \/>\nEVANGELISCHE AKADEMIE ISERLOHN<br \/>\nMARTINIKIRCHE SIEGEN<br \/>\n2004<br \/>\n1.<br \/>\n&#8222;slow5w\u00f6rter&#8220;&nbsp; Buch von Ewa Zygalska (Ewa Stawiarska-Zygalska)<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jurgen Weichardt Struktur und Zeit St\u00e4dtische Galerie Iserlohn 1995 Ewa Zygalskas Arbeiten fordern zum Philosophieren heraus, auch wenn sie sich zun\u00e4chst an die Augen wenden. Genaues Hinsehen ist Voraussetzung jeder Analyse. Der Zugang zu den Bildern von Ewa Zygalska ist einfach, denn sie beruhen auf einfachen Strukturen. 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